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NEUMONDE 2018


07. Dezember, 08:20 Uhr
(Freitag)

VOLLMONDE 2018

 

22. Dezember, 18:49 Uhr
(Samstag)

MONDTAGE

 

Kurse finden bei AYRF auch an Mondtagen, jedoch...

Traditionell praktiziert man an Voll- und Neumond, den sogenannten Moon Days, kein Ashtanga Vinyasa Yoga. So hat es auch unser 2009 verstorbener Guruji Sri K. Pattabhi Jois gehalten. Sich auf dieses Ritual einzulassen, hat eine besondere Wirkung auf uns: Wir gehen eine Vertrauensbeziehung mit Ashtanga, unserem Lehrer und vergangenen Gurus ein. Außerdem hat es seinen eigenen Charme, Teil einer alten Tradition zu werden. So wichtig wie ich es finde, diese aufrecht zu erhalten, bleibt es für mich doch unentbehrlich, diese nicht unreflektiert hinzunehmen, sondern sich der Hintergründe bewusst zu sein und diese ggf. auch zu hinterfragen.

Gründe für das Pausieren an den Moon Days gibt es viele. Meiner Ansicht nach lassen sich aber drei hauptsächliche Erklärungen finden: Die energetische Wirkung des Mondes, das Ruhen zu Ehren der Brahmanen sowie aus moderner Sicht auch die trainingswissenschaftliche Perspektive.

  1. Unsere Körper bestehen zum größten Teil aus Wasser und genauso wie die Meere mit Ebbe und Flut auf die Phasen des Mondes reagieren, so stehen auch wir in Verbindung mit dem Himmelskörper. Vergleichen wir den Mondzyklus mit unserem Atem, dann ist der Vollmond das Ende einer Einatmung (Puraka): Die Lebensenergie Prana) ist jetzt am höchsten. Wir fühlen uns energiegeladen und verspüren auch unsere Emotionen intensiver. Wir sind kopflastig und weniger geerdet – in der Praxis laufen wir Gefahr, uns zu verletzen. Der Neumond kann wiederum verglichen werden mit dem Ende einer Ausatmung (Rechaka), dem Moment, kurz bevor Neues entsteht. Wir fühlen uns ruhig und entspannt, manchmal aber auch kraftlos.

    Wenn wir an den Moon Days nicht praktizieren, schützen wir uns also vor erhöhtem Verletzungsrisiko. Gleichzeitig können wir in der so gewonnenen Ruhe die Wirkung der Mondphase auf uns erspüren und verstehen lernen. Das kann dazu beitragen, dass wir mit größerem Verständnis für und größerer Harmonie mit der Natur um uns herum leben.

  2. Das Closing Mantra widmet sich in der dritten Zeile den Brahmanen: go brahmane bhyaha, shubamastu nityam (Möge Gutes für die Heiligen und Gelehrten bestehen). In dieser Passage des Mantras ehren wir die Brahmanen für ihre Lehren und tun dies auch, indem wir an den Moon Days eine Pause einlegen. Das Aussetzen der Praxis ist damit noch lange kein religiöser Akt, sondern das Anerkennen der Tradition und das Vertrauen in die Lehrer: Wenn sie überzeugt sind, dass eine Pause gut für uns wäre, kann man dem auch einfach Glauben schenken.

    Tatsächlich gibt es in diesem Zusammenhang aber auch eine Erklärung, die weniger spirituell, sondern eher praktisch begründet ist: Sanskrit Schulen waren an Moon Days geschlossen. Die Brahmanen hatten an diesen Tag diverse Rituale zu erledigen und konnten sich nicht der Klasse widmen. Die Lernpause geschah also nicht, da man an Mondtagen nicht lernen sollte, sondern, weil schlicht niemand Zeit hatte, zu unterrichten. Patthabi Jois hat dies dann möglicherweise einfach aus der Gewohnheit heraus so weitergeführt: No practice on Moon Days. Dieser Punkt zeigt uns, dass nicht jedes Ritual eine fantastisch spirituelle Erklärung hat (s. dazu auch die Geschichte mit der angebundenen Katze unten).

    Gleichzeitig soll Pattabhi Jois aber auch davon gesprochen haben, dass das Wissen des Lehrenden zurückgeht, wenn er an Mondtagen unterrichtet. Deswegen sollte er an diesen Tagen nicht vor der Klasse stehen (gegen eine angepasste, reduzierte Self-Practice scheint aber auch in dieser Argumentation nichts zu sprechen).

  3. In den letzten Jahrzehnten ist eine weitere Erkenntnis hinzugekommen: Trainingswissenschaftlich macht es auf jeden Fall Sinn, regelmäßige Trainingspausen einzulegen. Dahinter steht das Superkompensationsprinzip, dass die Ermüdungs- und Erholungsphasen unserer Körper unter die Lupe nimmt. Ein direkter Bezug zu den Moon Days besteht zwar nicht, jedoch hat man an diesen Tagen ganz ohne schlechtes Gewissen die Gelegenheit, sich und seinem Körper eine Pause zur  Regeneration zu gönnen.

All diese Punkte können zusammen wirken (und darüber existieren noch weitere Erklärungen; eine vollständige Abbildung ist hier nicht möglich). Vielleicht gibt es die eine richtige Erklärung gar nicht – auch hier werden wir wieder daran erinnert, wie wichtig es ist, dass wir Dinge hinterfragen und reflektieren. Es gibt uns die Chance, eine eigene Antwort zu finden und im Bewusstsein dieser zu handeln.

Bei AYRF handhabe ich es so: Wer ohnehin täglich praktiziert, kann und sollte meiner Einsicht nach an den Moon Days eine Asana-Pause einlegen und sich z.B. anstatt dessen in Pranayama (Atemechniken), Pratyahara (Zurückziehen der Sinne), Dharana (tiefere Konzenration) oder Dhyana  (Meditation) üben. Ansonsten empfehle ich, an diesen Tagen nicht mit 100% Intensität zu üben, um das Verletzungsrisiko nicht zu auszureizen. Übt nur die Asanas, die Euch leicht fallen und achtet noch bewusster als sonst darauf, Euch nicht tiefer in die Positionen reinzuziehen. Übt Euch an diesen Tagen in den Yamas und Niyamas u.a. in Aparigraha. Die Kurse bei AYRF finden unter dieser Prämisse auch an Mondtage statt.

Die Geschichte mit der angebundenen Katze


Ein Lehrer hat gemeinsam mit seiner Klasse aus der Bhagavad Gita gelesen. Weil seine Katze dabei ständig durch die Reihen streunte und für Unruhe sorgte, band er sie kurzerhand an dem Baum fest, unter dem er saß. Irgendwann übernahm ein Schüler die Stunde und band die Katze während der Stunde ebenfalls am Baum fest. Als die Katze starb, kaufte er die nächste und band sie wieder fest. Der eigentliche Grund dafür wurde Jahrzehnte später vergessen: Ein Schüler schrieb irgendwann die heilige Tradition vom Festbinden einer Katze beim Unterrichten der Bhagavad Gita nieder.

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